Description

English

This document is a proclamation from Emperor Franz Joseph I to the people of the Austro-Hungarian Empire. In April 1915, Italy withdrew from the Triple Alliance of Austria-Hungary, Germany and Italy. In addition, Italy claimed dominion over the Italian-speaking areas of Austria-Hungary, but its demands were not fulfilled. And so Italy declared war on Austria-Hungary.

In ‘To my people! - The King of Italy has declared war on me’ Emperor Franz Joseph I expresses his disappointment at Italy’s ‘treachery’ after a ‘coalition of more than thirty years’. Italy had left Austria-Hungary ‘in the hour of need’, although Austria-Hungary had always fulfilled its ‘treaty obligations’ and supported Italy. Emperor Franz Joseph I revives the memories of battles such as Novarra, Mortara, Custozza and Lissa, and mentions popular commanders such as Radetzky, Archduke Albrecht and Tegethoff to encourage and motivate his troops. He claims that the ‘borders of the monarchy [will be] successfully defended’ and expresses his confidence in his troops, whose leaders and people deserve his ‘most heartfelt fatherly thanks’.

German

Was ist der Hintergrund dieses Dokuments?

Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Proklamation des Kaisers an die Bevölkerung. Nachdem im April 1915 Italien aus dem Dreibund Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien ausgetreten war und seine Forderungen nach der Abtretung italienisch-sprachiger Gebiete Österreichs nicht nachgekommen war, erklärte Italien Österreich-Ungarn den Krieg. 

Worum geht es in diesem Dokument und was ist dessen Bedeutung?

In „An meine Völker! – Der König von Italien hat mir den Krieg erklärt.“ bringt Kaiser Franz Joseph I seine Enttäuschung über Italiens „Treubruch“ nach einem „Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer“ zum Ausdruck. Italien habe Österreich-Ungarn „in der Stunde der Gefahr“ verlassen, obwohl Österreich-Ungarn seinen „Bündnispflichten“ immer nachgekommen wäre und Italien immer unterstützt habe. Kaiser Franz Joseph I. ruft die Erinnerungen an Schlachten wie Novarra, Mortara, Custozza und Lissa, sowie an Heerführer wie Radetzky, Erzherzog Albrecht und Tegethoff wach, um seine Truppen zu bestärken und zu motivieren. Auch diese „Grenzen der Monarchie [werden] erfolgreich verteidig[t] werden“. Er erklärt sein Vertrauen in seine Truppen, deren Führer und seine Völker dem sein „innigster väterlicher Dank“ gebührt.

Transcript

  1. Transcript

    English

    His Imperial and Royal Apostolic Majesty has most graciously deigned to issue the following handwritten letter:
    Dear Count Stürgkh!
    I call on you to bring this proclamation to my people to the attention of the general public.
    Vienna, 23 May 1915
    Franz Joseph m.p.
    Stürgkh m.p.
    To my people!
    The King of Italy has declared war on me.
    A breach of trust, the like of which as not been seen before, has been committed by the Kingdom of Italy against both of its allies. After an alliance of more than thirty years, during which she was able to increase her territorial possession and develop and blossom beyond her imagination, Italy has deserted us in our hour of need and has with flying colours defected to the enemy camp.
    We have not threatened Italy, we have not damaged her reputation, we have not infringed her honour and her interests; we have always faithfully fulfilled our commitments as an ally and given her our protection in the field of battle.
    We have done more than this: When Italy cast her covetous eye over our borders, we were, in order to maintain the allied relationship and peace, resigned to large and harmful losses, losses that affected our patriotic heart particularly deeply. But Italy's covetousness and opportunism could not be allayed and so fate took its course.
    My armies were triumphant in withstanding the might of the enemy in the North during ten months of extreme struggle, loyal brothers-in-arms with the army of my noble ally.
    The new, treacherous enemy in the South is not a new opponent to them.
    The great memories of Novara, Mortara, Custozza and Lissa, which formed the pride of my youth, and the spirit of Radetzky, Archduke Albrecht and Tegethoff, which lives on in my land and sea forces, give me assurance that we will also successfully defend the borders of the monarchy against the South. I greet my battle-hardened, tried and tested troops, I trust in them and in their leader! I trust in my people, for whose unprecedented self-sacrifice I give my deepest paternal thanks.
    I ask the Almighty to bless our flag and commend our righteous actions to His gracious care and keeping.
    Vienna, 23 May 1915
    Franz Joseph m.p.
    Stürgkh m.p.

    German

    Seine k.u.k. Apostolische Majestät haben das nachstehende Allerhöchste Handschreiben allergnädigst zu erlassen geruht:
    Lieber Graf Stürgkh!
    Ich beauftrage Sie das angeschlossene Manifest an Meine Völker zur allgemeinen Verlautbarung zu bringen.
    Wien, am 23. Mai 1915
    Franz Joseph m.p.
    Stürgkh m.p.
    An meine Völker!
    Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt.
    Ein Treubruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat Uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager unserer Feinde übergegangen.
    Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet; Wir haben unseren Bündnispflichten stets getreu entsprochen und ihm unsern Schirm gewährt, als es ins Feld zog.
    Wir haben mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blicke über Unsere Grenzen sandte, waren Wir, um das Bündnisverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahegingen.
    Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen, und so muß sich das Schicksal vollziehen.
    Dem mächtigen Feinde im Norden haben in zehnmonatlichem gigantischem Ringen und in treuster Waffenbrüderschaft mit dem Heere Meines erlauchten Verbündeten Meine Armeen siegreich standgehalten.
    Der neue heimtückische Feind im Süden ist ihnen kein neuer Gegner.
    Die großen Erinnerungen an Novara, Mortara, Custozza und Lissa, die den Stolz Meiner Jugend bilden, und der Geist Radetzkys, Erzherzogs Albrechts und Tegethoffs, der in Meiner Land- und Seemacht fortlebt, bürgen Mir dafür, daß wir auch gegen Süden hin die Grenzen der Monarchie erfolgreich verteidigen werden. Ich grüße meine kampfbewährten, siegerprobten Truppen, Ich vertraue auf sie und ihre Führer! Ich vertraue auf Meine Völker, deren beispiellosem Opfermute Mein innigster väterlicher Dank gebührt.
    Den Allmächtigen bitte Ich, daß er unsere Fahnen segne und unsere gerechte Sache in seine gnädige Obhut nehme.
    Wien, am 23. Mai 1915
    Franz Joseph m.p.
    Stürgkh m.p.